„Ich möchte zum Erreichen von Wunschträumen beitragen“

Bernd Hornetz, Sportlicher Leiter des RennRad Cycling Club und einer der erfolgreichsten Jedermannfahrer Deutschlands, über seine Erfolgsrezepte, seine Rolle im R2C2 und Perspektiven der Jedermann-Szene.

Du gehörst zu den erfolgreichsten Jedermannfahrern Deutschlands. Was ist Dein Erfolgsrezept?
Wegen einer langwierigen Bandscheibenproblematik seit Ende 2017 muss ich noch in der Vergangenheitsform antworten. Aber gerade mit etwas Abstand zum gewohnten Trainingsrhythmus ist mir noch bewusster geworden, wie komplex das Erfolgsrezept war. Aus den vielen Faktoren würde ich besonders herausstreichen: eine enorme Motivation und viel Freude am Radfahren.

Was war dein größter oder schönster Erfolg bisher?
Fällt mir sehr schwer, mich auf eine Sache festzulegen. Die Siege beim NoveColli 2012 und beim Ötztaler 2016 sind sicher die mit der größten Reputation. Aber es gab noch einige andere schöne Erlebnisse, die für mich auf gleicher Stufe stehen.

Foto: Sportograf

Du bist verheiratet und hast einen fordernden Beruf. Wie planst du da dein Training?

Flexibel, aber nicht chaotisch. Familie und Beruf haben Priorität. Drumherum gilt es dann das Training optimal einzubetten. Zum Glück verbringt meine Frau auch gerne einen großen Teil Ihrer Freizeit mit mir auf dem Rad. Dann hat man im Laufe der Jahre seinen Körper und auch viele Zusammenhänge aus der Trainingslehre kennengelernt. Das sind die Randbedingungen, um den Jahresplan auf zwei Hochformphasen von je etwa sechs Wochen auszurichten, in denen die Wettkampfhöhepunkte liegen.

Viele der Marathons finden in den Alpen statt. Wie wurde ein Karlsruher zum Hochgebirgsfahrer?
Anfang der 90-iger Jahre habe ich die Alpen bergwandernd erkundet. Diese Landschaft hat mich sofort fasziniert. Von Karlsruhe aus hat man immerhin den Schwarzwald vor der Haustür. Also war es einige Jahre später bei meinen ersten Radabenteuern keine Frage, dort möglichst viele Bergaufkilometer mitzunehmen. Irgendwann war es dann logisch, die Faszinationen Alpen und Radfahren zu kombinieren.

Der Triumph: Mit 48 Jahren siegte Bernd Hornetz beim Ötztaler Radmarathon (Foto: Sportograf)

Du engagierst Dich neben Gerald Ciolek als Sportlicher Leiter im R2C2. Was reizt Dich an der Aufgabe?
Mir macht es seit jeher große Freude, meine Leidenschaft Radsport mit anderen zu teilen. Wenn man dabei auch noch die Gelegenheit hat, neue interessante Menschen kennenzulernen, dann ist das immer wieder eine wunderbare Erfahrung. Auf vielerlei Art durfte ich das bereits mit Freunden, Verein und Teams genießen. Deshalb habe ich mich bei der Anfrage durch den Verlag der „RennRad“ sehr gefreut und ebenso geschmeichelt gefühlt, neben dem Radsport-Monument-Gewinner Gerald Ciolek eine solche Aufgabe bekleiden zu dürfen. Ich bin schon sehr gespannt auf die ambitionierten Club-Mitglieder und möchte gerne zum Erreichen des ein oder anderen Wunschtraums beitragen.

Wie profitieren die Mitglieder von Deiner Expertise?
Besonders aus der Perspektive des Hobbyfahrers, der erst im reiferen Erwachsenenalter in den Radsport eingestiegen ist und neben Beruf und Familie sich Stück für Stück vom Individual-, Club- und RTF-Fahrer zum Hobby-Leistungssportler entwickelt hat, sollte ich über einen hinreichenden Erfahrungsschatz besitzen. Damit werde ich dann gerne den Club-Mitgliedern Rede und Antwort stehen, um den ein oder anderen nützlichen Tipp weiterzugeben.

Foto: Daniel Müller, Speedville

Was machst Du neben Deiner Aufgabe im R2C2 aktuell im Radsport?
Ich solle mir doch Mal das Geburtsdatum in meinen Pass anschauen, foppte mich ein italienischer Freund und Teambetreuer schon vor fünf Jahren immer wieder. Damals erst 46, muss ich dem heute mit 51 nun doch etwas mehr Rechnung tragen. Daher arbeite ich mit Augenmaß daran, Mal wieder an einem Rennen teilnehmen zu können. Was in der Jedermann-, Amateur- und Profi-Szene vor sich geht, verfolge ich ebenso interessiert, wie Entwicklungen in Technik und Trainingslehre.

Die Jedermann-Szene entwickelt sich dynamisch. Wie schätzt Du die Entwicklung für die Zukunft ein?
Dynamik ist sicher in vielerlei Hinsicht im Jedermann-Radsport sichtbar. Die Jedermann-Events werden mit immer professionellerem Erlebnismanagement vermarktet, zum Teil in überregionalen oder gar weltweiten Eventserien. Es entwickelt sich seit Jahren ein ansteigendes Leistungsniveau, weil eine systematisierte Trainingssteuerung auch für Hobbyathleten zugänglicher wurde und auch genutzt wird. Dazu kommen die sozialen Medien, die zusätzliche Vergleichsmöglichkeiten erbrachter Leistungen bieten, was für viele eine zusätzliche Motivation zum Trainieren darstellt. Auch die Technik schreitet voran, oder geht zumindest neue Wege. Mir wird bisweilen schwindlig, wenn die inzwischen deutlich 5-stelligen Euro-Preise der Spitzenmodelle sehe. Bei genauerer Betrachtung muss man aber relativieren, dass neben der elektronischen Schaltung heute Features wie Hochleistungslaufräder und Leistungsmessung in Serie verbaut werden, die gestern noch als Tuningparts vereinzelt nachgerüstet wurden. Ein Spiegel der gestiegenen Ambitionen und Budgets. Die sich seit einigen Jahren vermehrt einstellenden Erfolge deutscher Profiathleten und -teams sowie deren gestiegene Präsenz in den Medien könnte auch den Jedermann-Markt hierzulande weiter befeuern. Wollen wir hoffen, dass es keine Gründe geben wird, die dem ein jähes Ende bereiten.

Was sind deine persönlichen Ziele für 2019 auf dem Rad?
In diesem Jahr geht es mir darum auszuloten, welche Belastungen ich meinem Rücken zumuten kann. Ich taste mich da gerade mit Vorsicht und guter Hoffnung voran. Ob es noch für einen Rennensatz zum Saisonende reicht, das bleibt noch offen.

Mehr Infos zu Bernd Hornetz:

Bernd Hornetz – der Sportliche Leiter im Profil

Wie Bernd Hornetz den Ötztaler Radmarathon 2016 gewann