Comeback von Bernd Hornetz beim Granfondo Tre Valli Varesine

Nach einer längeren Verletzung ist Bernd Hornetz am Wochenende in der oberitalienischen Region Varese bei einem Granfondo angetreten – und prompt wieder erfolgreich gewesen. Unser Sportlicher Leiter, der 2013 UCI Amateur-Weltmeister der Altersklasse 45 bis 49 Jahre im Straßenrennen wurde, rekapituliert das Rennen.

Mein erstes Rennen beim UCI Amateur WM Qualifier in Varese, exakt dort, wo ich vor zwei Jahren meinen davor letzten Granfondo bestreiten konnte. Das mit einem Brückentag verlängerte Wochenende mit dem Tag der Deutschen Einheit, bot die ideale Gelegenheit, die heimischen Regentage gegen ein sonniges Wochenende auf der Alpensüdseite einzutauschen.

Dementsprechend ausgiebig wurde die Region zwischen den zahlreichen Seen per Rad erkundet, inklusive der Strecke des sonntäglichen Granfondo. Die wunderbare Kulisse kann auf zahlreichen, schmalen Straßen erkundet werden. Etwas vorsichtig muss man jedoch insbesondere in den Abfahrten sein, weil diese nicht alle in bestem Zustand sind.

Auch die Auto- und LKW-Fahrer sind nicht durchgehend die besten Freunde der Radfahrer, wie zahlreiche rasante und knappe Überholmanöver vermuten ließen. Dennoch alles gut überstanden, stand ich voller unsicherer Erwartung in meinem Startblock der 50- bis 54-Jährigen. Als WM-Qualifier starten analog zum WM-Finale alle Alterklassen separat in Fünf-Minuten Abständen. Es finden also x unabhängige Rennen, die sich dann doch im Rennverlauf vermischen.

Mir war nicht klar, wie ich mich und meine Möglichkeiten einschätzen konnte. Also war der Plan, diese im Verlauf des Rennens zu erfühlen und so gut es ging mitzuschwimmen. Es ging schon Mal gut bis zum ersten und zugleich ausgeprägtesten Anstieg nach bereits zwölf Kilometern zur Alpe Tedesco. Da mussten um ersten Mal die Karten auf den Tisch.

Schon nach der ersten Kehre setzten sich die beiden stärksten Fahrer, Roger Devittori (SUI) und Landesmeister Emmanuele Motta (ITA), ab. Dahinter führte ich, so gut es ging und mangels Rennhärte over the limits, noch etwa ein halbes Dutzend Fahrer in der Verfolgung an.

Der Puls schon über den Ohren mussten wir auch zahlreiche zurückgefallene Teilnehmer der zuvor gstarteten jüngeren Altersklassen umkurven, was sich in der technisch anspruchsvollen Abfahrt fortsetzte.

So war ich dann alsbald alleine auf der Verfolgung, bis die Mitverfolger im flacheren Abschnitt zum Lago Lugano wieder aufschlossen. Es wurde dann gemeinsam gekreiselt und am Fuße des nächsten Anstiegs hatten wir die zwei Ausreißer wieder auf Sicht.

Mit einem harten Einsatz konnte ich mit Sandro Vitali (SUI) tatsächlich aufschließen. Die anschließende Tempoarbeit entlang des Lago Maggiore zog mir zwischenzeitlich den Stecker und die vorausgegangenen Intensitäten verursachten schon leichte Krämpfe.

Dennoch konnte ich die nächsten Hügel überstehen. Doch dann, an einer längeren Rampe bei Kilometer 70 war es soweit. Motta, der stets mit einer aufreizend niedrigen Trittfrequenz seine muskolösen Ober- und Unterschenkel kontrahierte, beschleunigte kraftvoll.

Ich konnte Devittori nur „Viel Spaß noch“ zurufen, als dieser hinterherstieg und ich mich mit Vitali eines Besseren besann, mit menschlicherem Tempo hinterherzufahren.

Wir harmonierten gut und kollegial bis zum Schlussanstieg zurück in Varese, zuletzt in einer Gruppe aufgerollter, jüngerer Altrsklassen, die sich teilweise an der Führungsarbeit beteiligten.

Mir war nicht entgangen, dass Vitali etwas schwächer wurde. Schließlich ging es noch um einen Podestplatz, also musste ich eine Attacke versuchen. Der Antritt war nicht scharf, aber die Steigung lang genug, um noch einen sicheren Vorsprung herauszufahren.

Also Platz 3 hinter dem Sieger Motta und Devittori, der um Zentimeter an der Ziellinie überspurtet wurde. Ein wunderbares Resultat gemessen an der Historie, war ich mehr als zufrieden und motiviert für kommende Herausforderungen.

Fotos: Veranstalter, privat